Train de Pignes


Train de Pignes Südfrankreich © 2009 by Belair-Villas

Auch wer nicht zu den pathologischen Zugfanatikern gehört: Eine Tour mit dem Train de Pignes ist ein touristisches Muss. Diese uralte Linie verbindet Nizza mit Digne und führt teilweise über Trassen, die nicht neben den Straßen liegen. Der Zug verbindet die Täler der Asse, des Verdon mit dem Tal des Var und endet am Mittelmeer.


Eine Kostprobe davon, wie es im Herbst – der wohl schönsten Jahreszeit für einen solchen Abstecher, aussieht finden Sie hier: Fotos TRAIN de PIGNES und INDIAN SUMMER .
(Fast) alles Wissenswerte zu Zug und Route finden Sie hier: TRAIN des PIGNES und hier: FAHRPLAN.

Die Geheimtipps gibt es hier bei uns: Die morgendlich frühen Züge 1 und 2 werden im Abschnitt zwischen Digne und Thorame bis auf Weiteres durch Busse bedient – sind also uninteressant.

Die – der Meinung des Autors nach - schönste Partie ist die Strecke von MEZEL nach ENTREVAUX.

Der Bahnhof Mezel liegt etwa 2 Kilometer oberhalb vom Ort: In Mezel – Gare (Bahnhof) das Fahrzeug abstellen, nach Entrevaux fahren, Mittag machen, Ort besichtigen ( Die Zitadelle ist, wie die meisten militärischen Bauten, maximal einen Besuch wert.) und dann wieder zurück.
Die Strecke ist gespickt mit Brücken, Tunnels und herrlichen Aussichten. Natürlich kann man auch bis zum Mittelmeer nach Nizza hinunter, aber das zieht sich und das Var-Tal ist wenn nicht gerade Schneeschmelze und Hochwasser sind, eher langweilig und obendrein recht teuer.

Die Bahnhöfe sind entweder verwaist oder für kleines Geld an sozial nicht so gut situierte Bürger vermietet, entsprechend gewöhnungsbedürftig sieht es dort zuweilen aus.
Schalter gibt es nicht, Fahrkarten können Sie im Zug erwerben.
Die oben empfohlene Tour kostet tour/retour etwas über 20 €. Wichtig: Ab einem Alter von 55 Jahren bekommen Sie schon ca. 25 % Senioren - Rabatt!

ENTREVAUX ist nett, aber durchaus zügig zu besichtigen. Es gibt nicht allzu viele Restaurants und das Preisniveau ist hoch. Die Mitnahme eines Picknick-Korbes sei empfohlen.
Der Bahnhof Mezel ist nicht beleuchtet. Falls Sie erst bei Dunkelheit zurück kommen, umfängt Sie tiefschwarze Nacht. Hier ist eine Taschenlampe hilfreich, sonst können Sie sich tastend Ihrem Auto nähern.

Muss nicht sein: Meiden Sie den letzten Zug am Sonntagabend hinauf nach Digne: Dann fahren nämlich die Schüler in die Internate zurück. Hier herrscht, wenn Sie Glück haben, ein fürchterliches Chaos - wenn Sie Pech haben, werden Sie Zeuge von Schlägereien zwischen Rabauken und schwarzen Sheriffs.

Seniorenrabatt:
Meine Gattin und ich sitzen im Zug und warten darauf, unsere Tickets erstehen zu können. Der Schaffner tritt heran, ich melde ebenso laut wie vernehmlich meinen Wunsch an: „2 fois Mezel - Entrevaux , 2 persones, tour/ retour.“ Ganz normal, keine Extras, keine besonderen Vorkommnisse.
Der schaut mich etwas genauer an – und dann folgte das, was immer so kommt, wenn man Urlaub machen möchte, eher entspannt ist und nicht damit rechnet: Französisch vom Allerfeinsten, das aber in Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat.
Da kommt bestenfalls der Muttersprachler mit, kein Spätberufener wie unsereins. Abschalten, ignorieren, mehr als reichlich Geld hinhalten, angestrengt nach draußen sehen. Mein getreues Eheweib hatte aber aus dem Redeschwall etwas von „cinquantecinq“ herausgefiltert – Frauen können das anscheinend – und war bei so etwas, was mit dem Zauberwörtchen „Rabatt“ verwandt zu sein schien, hellhörig geworden. Sie kartete mit dem ortsüblichen und immer hilfreichen „Hein“ zu Deutsch: „Hää!?“ nach.

Es klärte sich: Schon ab dem zarten Alter von 55 bekommt man im Train de Pignes Seniorenrabatt. Nach einem Ausweis wurde ich nicht gefragt, wettergegerbtes Gesicht langt anscheinend für Glaubwürdigkeit .

Knapp 5 € gespart, da kommt doch Freude auf. Ich werde zukünftig in Restaurants die Karte von hinten aufschlüsseln, mich bezüglich der Seniorenteller schlau machen und ab sofort Nudelgerichte nur noch „al kukidente“ bestellen.

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