Trüffel

Es mag verführerisch erscheinen, auf einem der winterlichen Märkte Trüffel zu erstehen. Hiervor sei eindringlich gewarnt. Mindestens 30 Prozent der hier angebotenen Trüffel sind gestohlen, was natürlich für Sie eher ein geringeres Problem darstellen dürfte - kein Kläger, kein Richter.
Aber: Es werden nicht wenig gefälschte oder aufgewichtete Trüffel angeboten. Bei einem Kilopreis von deutlich über 1000 € können Sie davon ausgehen das viele Anbieter ebensoviel Fantasie wie kriminelle Energie aufbringen um sich einen Vorteil zu verschaffen und Sie über’s Ohr zu hauen.
Übliche Tricks: Einbringen von Lehm, Sand, Steinen oder Metallpartikeln in die Trüffel um diese gewichtsmäßig anzuheben. Sie kaufen dann ein Haufen Sand und wenig Trüffel. Ein weiterer Trick ist der Verkauf von chinesischen Trüffeln. Diese sehen den schwarzen Trüffel täuschend ähnlich, sind aber fast geruchlos und schmecken eher nach nichts. Um den Käufer zu täuschen werden diese Trüffel einige Zeit neben den echten Trüffeln (tuber melanosporum) gelagert und nehmen deren intensiven Geruch an. Nur dem Fachmann wird es gelingen, diese gefälschte Ware von einwandfreien Trüffeln zu unterscheiden.
Resümee: Finger weg von Marktware. Kaufen Sie beim Händler mit fester Adresse. (z. B. bei Bruno in Lorgues: TRÜFFEL BRUNO
Nichtsdestotrotz ist natürlich ein Besuch der winterlichen Trüffelmärkte interessant: Hier wechselt das „schwarze Gold“ der Provence den Besitzer indem das Objekt der Begierde kaum merklich von einer Manteltasche in die andere wandert. Das Finanzamt hat es eh aufgegeben, die Einkünfte der Trüffelhändler werden geschätzt. Es kann Ihnen allerdings passieren, dass ,wenn Sie an einem weit geöffneten Kofferraum vorbeischlendern, dieser blitzartig geschlossen wird. Nicht alles verträgt Tageslicht.
Trüffel-Diebstahl:
Es ist in Südfrankreich Sport, die Trüffel anderer Leute auszugraben und diese dann für teures Geld zu vermarkten. Auch drakonische (5-stellige!) Strafen können die Diebe nicht davon abhalten. Beispielsweise hat man 2006 ein Ehepaar mit 12-jähriger Tochter(!) auf frischer Tat ertappt.
Völlig geschmacklos waren die Gangster, die im Jahr davor einen Trüffelhund entführten. Diese Hunde werden zum Aufspüren der Trüffel genutzt und kosten, wenn sie entsprechend abgerichtet und erfolgreich sind, locker 10.000,-- €. Man kann sich vorstellen, wie hoch die Wellen hier im Süden schlugen. Der Hund tauchte allerdings nie wieder auf.
Apropos Hunde: Seien Sie vorsichtig, überfahren sie um Gottes Willen keinen Hund. Die Tiere sind verwahrlost und tingeln ebenso verfloht wie gelangweilt durch die Orte, als würden sie keinem gehören. Aber wenn ein Hund verletzt oder getötet wird, ist der entstehende Aufstand genau so wie bei einem Kind. Man wird Sie verbal lynchen.
Trüffelmärkte in Südfrankreich (Auswahl)
AUPS : Donnerstags, ab 10:00 bis 12:00 25. November bis 10. März
CARPENTRAS: Freitags, ab 8:45, während des Winters.
NYONS: Donnerstags, vormittags ab Mitte November bis Mitte März
RICHERENCHES: Samstags, November bis März
Hier finden Sie Fotos: RICHERENCHES
Die Fotos wurden uns dankenswerter Weise von einem unserer Gäste zur Verfügung gestellt. (c) Wilfried R. Berndt 2011