Franzose und Euro


Die Euro-Umstellung war für Deutsche problematisch, da es eine scheinbare Preishalbierung ergab und viele Unternehmer und Gewerbetreibende die Gelegenheit genutzt haben, die Preise mehr oder minder versteckt zu erhöhen.


Als das auffiel – nämlich im Portemonnaie des Verbrauchers – schaltete sich die Politik ein und sprach von einer „gefühlten Inflation“. Dieser Häme hätte es nicht bedurft, veräppeln kann sich der Verbraucher schließlich selber. Für den Staat als größter Schuldner war das DIE Gelegenheit für eine gut kaschierte Abwertung.
Bolko Hoffmann, Herausgeber des Effektenspiegels, hat einmal die Aussage gemacht, „ ..der Euro würde uns alle zu Sozialhilfeempfängern machen.“ So schlimm mag es – so Gott will – nicht kommen, aber die Tatsache, das Wackelkandidaten mit frisierten Bilanzen und bessere Bananenrepubliken in den Währungsverbund aufgenommen wurden, wird uns wohl früher oder später teuer zu stehen kommen.

In Frankreich stellt sich die Sache extremer dar: Der Faktor liegt bei zirka 6 und die Franzosen haben die Dimension der Preisveränderung gefühlsmäßig nicht in den Griff bekommen. Zwar gab es drei Monate lang eine staatlich kontrollierte Preissperre, das hat aber nichts genutzt. Man muss bedenken, dass die Alten einmal eine ganz drastische Franc-Abwertung mitgemacht haben und heute noch in Milliarden und Centimes denken und rechnen. (Gleichwohl wird die deutsche Generation der 40 – 80 Jährigen wohl ebenfalls mit Faktor 2 – DM : Euro ins Grab gelegt werden. Nach mehr als einem halben Jahrhundert mit einer stabilen und gesunden Währung ist das wohl nachvollziehbar.)
Dem Franzosen erscheinen alle Euro-Preise billig und es wird ohne Murren bezahlt. Das mangelnde Preisverständnis stellt sich beispielsweise so dar: An einer Supermarkttankstelle können sie Treibstoff für 1,20 € tanken, 200 m entfernt in Sichtweite dieser Preisschilder ist eine offene Tankstelle wo der Liter Preis dann bei 1,35 liegt. Nichtsdestotrotz wird doch getankt, obwohl an der Supermarkttankstelle keine Schlange ist. Man hält den Preis gegenüber ehemals 7 – 8 Francs einfach für niedrig und macht sich keine weiteren Gedanken.

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