Lavendel
Lavendel (Lavandin) in der Haute-Provence
Lavendel – Lavandin - Lavendelblüte
Der hier angebaute „Lavendel“ ist eine Hybride echtem Lavendel (lavandula angustifolia) und Aspiklavendel, Großer Speik (lavandula latifolia): der „Lavandin“. Das daraus gewonnene Öl ist nicht ganz so hochwertig wie das des echten Gebirgslavendel, aber deutlich preiswerter, weil diese Sorte in großen Kulturen angelegt, spritzmittelresistenter ist und maschinell besser geerntet werden kann.
Das Lavendelöl gehört nicht nur in Duftlampen oder in Parfums sondern ist darüber hinaus ein angenehmer Zusatz im Bad oder zum Wischwasser, wo es bakterizid wirkt. (Als Saunaaufguss ist das Öl allerdings nicht geeignet, es zersetzt sich in der Hitze.) Die getrockneten Blüten näht man in Stoffreste ein und hängt diese in den Kleiderschrank, um Motten fernzuhalten. Das Öl des Lavandin duftet etwas stärker, weil die Kampherkomponente dominiert. Das Öl des echten Lavendels duftet milder und wird auch in der Medizin und in der Phytotherapie eingesetzt. Aus den Blüten lässt sich u.a. ein nervenberuhigender Tee bereiten.
Wer sich über Düfte und Aromatherapie intensiv informieren möchte, kann das hier tun. M. Noel Landel verfügt über einen unglaublichen Bestand aller erdenklichen Essenzen und nimmt sich viel Zeit für Erklärungen. LABOR SAINTE VICTOIRE (Simiane-la-Rotonde)
Früher wurde der Lavendel von Hand geschnitten, zumeist durch portugiesische Saisonarbeiter. Etwa seit 1956 tauchten dann die ersten, recht abenteuerlich wirkenden Schneidemaschinen auf. Die Maschinen konnten schneiden und Bündel binden. Diese Bündel wurden einige Tage zur Trocknung auf dem Feld gelassen, von Hand auf Anhänger geworfen und in die Destille gebracht.
Hier gab man die Bündel in das Destillationsgefäß (Alambic), gab Wasser hinzu und destillierte das Öl mit dem Wasserdampf heraus. Im Destillat konnte das ätherische Öl dann oben abgeschöpft werden. Die Rückstände wurden üblicherweise neben den Destillen verbrannt.
Die überall noch in der Gegend befindlichen alten Destillen werden aus Gründen des Umweltschutzes durch ein neues Verfahren abgelöst. Eine moderne Anlage befindet sich an der D 11 Zwischen Riez und Ste. Croix. Hier können die Blüten noch schonender und schneller dampfdestilliert werden. Auch ist dies nicht mehr mit Rauch- und Geruchsbelästigung verbunden: Der Lavandin wird mit speziellen Erntemaschinen geerntet, gehäckselt und in einen Spezialcontainer verbracht. Dieser Container wird per Anhänger oder LKW zur Destille transportiert. Hier wird der komplette Container mit einer Haube druckdicht abgedeckt und anschließend wird mit Wasserdampf direkt aus dem Container heraus destilliert. Es ist an keiner Stelle mehr nötig, den Lavandin aufzuladen oder umzuladen, was Personalkosten einspart und Verluste des ätherischen Öls vermeidet. Der Häckselrückstand wird nicht mehr verbrannt, sondern deponiert.
Das Lavendelöl bekommen Sie in nahezu gleichbleibender Qualität überall auf den Märkten oder auch direkt bei Bauern und Imkern angeboten.
Niemand hat etwas dagegen, wenn Sie sich einen Handstrauß pflücken, man mag es aber nicht, wenn gleich ganze Pflanzen ausgerissen werden! Die Blüten sollten Sie mit Haarspray fixieren, sie fallen sonst beim Trocknen ab.
Neuigkeiten:
Die unkrautfreie Blütenpracht des Lavandin wurde bislang mit der chemischen Keule erhalten. Die Felder wurden auf Deibel-komm-raus hemmungslos gespritzt. Nun hat man auch in Frankreich festgestellt, dass Pestizidrückstände den Weg vom Feld ins Trinkwasser finden. Der Schadstoffpotpourri führt zunehmend dazu, dass die Herren der Schöpfung ein Zeugungsfähigkeitsproblem bekommen. Da der Staat von Steuerzahlern lebt und nicht von lavendelblauen Landschaften, wurde rigoros die erlaubte Dosis an Pestiziden reduziert. Diese führt dazu, dass die Felder zukünftig nicht mehr so wie aus dem Ei gepellt aussehen werden und dass wohl auch das eine oder andere schmucke Feld zukünftig mit Getreide bestellt wird. Gesundheit hat Vorrang.
Weitere Bilder: LAVENDEL IMPRESSIONEN