Restaurants Teil 4


Restaurants - Insidertipps
Es ist problematisch, in Frankreich abends einen Tisch zu bekommen. En passant geht nichts. Leere Restaurants sind zu meiden, weil die nicht grundlos leer sind. Die guten sind brechend voll. Man muss also notgedrungen reservieren. Diese Reservierung funktioniert allerdings nur wenn sie in der Lage sind, eine Telefonnummer zu hinterlassen.


Ärgerlicherweise gibt es in Südfrankreich den üblen Trick, bei der Konkurrenz Tische zu servieren um dann natürlich nicht zu erscheinen. Das hat verschiedene Leute, die zu spät kapiert hatten, was da ablief, in den Ruin getrieben.
Von da her sollten Sie entweder eine Telefonnummer hinterlassen können oder sagen können, wer ihr Gastgeber ist. Der Name des Patrons dürfte Ihnen Tür und Tor problemlos öffnen.

Der Franzose gibt für einen Restaurantbesuch traditionell mehr Geld aus als der Deutsche. Von daher ist das Preisgefüge in französischen Restaurants vollkommen anderes als in Deutschland. Es ist meist ungünstig, sich das Menü selber zusammen zu stellen. Besser ist es, auf eins der vorgeschlagenen Menüs oder die „plât de jour“ zuzugreifen, was die Preise und die Wartezeit deutlich senkt. Bei den Getränken gilt es auch mit Vorsicht zu walten. Die Weinpreise sind zum Teil abenteuerlich. Apperitif und Digestif tun dann ein Übriges um in der Brieftasche Schwindsucht zu erzeugen.
Deswegen besser alle Extras wie Dessertwein, Schnäpschen und Eis im Supermarkt kaufen und ebenso wie den Espresso einfach daheim genießen.
Generell ist zu sagen dass der Besuch von irgendwelchen windigen Restaurants oder Bistros zum Zwecke der Nahrungsaufnahme eher uninteressant ist. Die gebotene Qualität steht leider oft in keinem Verhältnis zu den teilweise unverschämten Preisen. Günstiger ist es, bei Überlandtouren ein ordentliches Picknick einzupacken. Herrliche Zutaten finden sich auf jedem Markt. Vorteile: Mehr Spaß, weniger Zeitverlust und kein Ärger über zum Fenster hinaus geworfenes Geld.

Statt mehrmals wöchentlich Essen zu gehen, sollten Sie sich den Luxus gönnen, eine der Edelschmausen anzusteuern. Hier zahlen Sie zwar scheinbar hohe Beträge, aber auf jeden Fall erhalten Sie ein Menü von dem sie einige Jahre schwärmen werden. Die Vollprofis wie Bruno oder Ducasse machen das Essen zu einem luxuriösen Erlebnis.

Bruno, alias der „Gigant von Lorgues“, ist in der Tat mit einer für einem Franzosen ungewöhnlichen Körpergröße ausgestattet. Seine Menüs bestehen zu einem großen Anteil aus hervorragenden Trüffeln und sind bei einem Kilopreis von oft über € 1.000,- entsprechend kostspielig. Die Menüs kosten nicht unter 58 bis 60 €, nach oben ist die Preisskala eher offen. Diese Adresse ist für Trüffelliebhaber ein absolutes Muss - unvergesslich!

BRUNO

Bruno betreibt in einer angegliederten Boutique auch Verkauf &Versand von Trüffeln und Feinkost, die damit zusammenhängt.

Eine weitere edle Adresse ist die Bastide von Moustiers. Hier kocht die Mannschaft von Alain Ducasse. Preislich liegt das Ganze in etwa auf dem gleichen Niveau wie bei Bruno und auch hier muss man für ein Menü durchaus 3 Stündchen Zeit mitbringen. Selbstverständlich sind höchste Qualität und hervorragendes Arrangement nebst heimeligem Ambiente Standard für dieses Haus.

BASTIDE de MOUSTIERS

Bei schönem Wetter sitzt man unter einem fantastischen, uralten Baumbestand auf der Terrasse, im Winter oder bei Mistral drinnen in geschmacklich hervorragend ausgestatteten Räumlichkeiten. (Hier sind selbst die Toiletten einem Besuch mit Fotoapparat wert.)

Restaurantempfehlungen:
Ich bin in der vergangenen Zeit manchmal hereingefallen, selbst in Lokalen die unglaublich viel „Wind“ machen und die ich früher durchaus noch auf meiner älteren Website empfehlen konnte. Kleines Beispiel: Vorspeise mit (wenigen ) Trüffelpartikelchen, die bestenfalls nach Sägespänen schmeckten und die sich eigentlich nur durch die schwarzbraune Färbung von solchen unterschieden. Es folgte dann eine lächerlich winzige Aïoli mit angegammeltem Fisch dubioser Provenienz – ein Alptraum für stattliche 45 Euro. Frechheit siegt, wenn auch nur einmal pro Kunde.
Selten habe ich mich so geärgert.

Aber selbst diese Vorstellung ließ sich toppen: Habe an einem lausig kalten Tag nach dem Besuch des Papst-Palastes in Avignon Hunger verspürt. Ich hatte in Paris einmal preiswert und ganz ausgezeichnet bei einen Marokkaner gegessen, also versuchte ich ein Remake - und wurde bitterst enttäuscht.
Mir wurde die grässlichste Tangine meines Lebens serviert. (Nordafrikanisch: Lamm und Gemüse in abgedeckter Terracotta- Form gebacken, normalerweise glühend heiß, kann man eine halbe Stunde lang ganz gemütlich genießen, ohne dass das Essen auskühlt. ) Irgendwie hatte dieser Amateur sein Fantasiegemenge in der Mikrowelle aufgeheizt und dann in die KALTE Form hinein gepfeffert! Zu allem Übel wurde das ganze maghrebinisch authentisch mit Tiefkühl-Kroketten !! garniert. Ich empfand das als Dschihad mit subtilen Mitteln.
Notabene: Entlang der Rhone ist ein erlesener arabischer Wortschatz in Bezug auf wirkungsvolle Beschwerde und / oder Beschimpfung durchaus hilfreich.

Viele Lokale sind für das, was auf den Tisch kommt, viel zu teuer. Dies gilt besonders für Getränke. Hier versuchen einige Amateure in den 2 Monaten Hauptsaison flott Reibach zu machen, um sich dann 10 Monate auf die faule Haut legen zu können. Bleibt abzuwarten, ob ein Bereinigungsprozess in Gang kommt – schön wär’s.

Aus vielen Niederlagen habe ich gelernt: Ich stelle daher – bis auf die vorgenannten Klassiker – keine Restaurantempfehlungen mehr ins Netz. Zu viele, einstmals reizvolle Adressen kippten von einem Tag auf den anderen. Auch gibt es Probleme mit denen, die nicht erwähnt werden. Neid ist im Midi eine real spürbare Komponente des täglichen Lebens.
Wer sich für die aktuelle Hitliste interessiert, mag mich anmailen oder anrufen. Empfehlungen aus der geneigten Surferschaft werde ich gerne notieren und weitergeben.

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