Restaurants Teil 2


Speisekarte:
Französische Köche haben den Hang zu einer orientalischen, blumigen Umschreibung die einem Weinverkoster alle Ehre machen würde. Man kreiert laufend neue Sprachgebilde um Speisen neu zu benennen. Das gibt natürlich ein Eigentor, diesen Unfug versteht der Franzose oft schwierig, der Ausländer garantiert nicht.


Als Nichtfranzose bleiben Ihnen nach Studium der Speisekarte - wobei Sie leider nur die Preise verstehen konnten, aber nicht, was es dafür gibt - 3 Möglichkeiten:
Erstens: Sie fragen, was das alles “bitteschön” sein soll. Man wird es Ihnen mit stoischer Ruhe erklären - der eine kopfschüttelnd, der andere mit dem charakteristischen “tss tss”- was nicht unbedingt bösartig abwertend gemeint sein muss, aber es manifestiert immerhin, dass Sie keine Ahnung von französischer Küche haben. Wie könnten Sie auch – als Ausländer!
Rächen Sie sich wirkungsvoll - streichen Sie das Trinkgeld ersatzlos und kehren Sie nie wieder.
Zweitens: Gehen Sie gleich weiter zum nächsten Restaurant mit lesbarer Karte, essen Sie dort einfach und gut, für weniger Geld.
Drittens: Sie beschaffen sich einen der speziellen Sprachführer für auswärtiges Essen – und zwar einen, der ein solches Format hat, das man bequem in die Jackentasche stecken kann.

Kindern & Restaurant:
So phantasiereich die französische Küche auch sein mag, Kinder werden aus unerklärlichen Gründen stiefmütterlich behandelt und es ist kein Wunder, wenn die beim Essen von “Mäckes” (sprich Mc Donalds) träumen.
Was in den Restaurants an Einfallslosigkeit geboten wird ist skandalös und könnte sich zum Sargnagel der französischen Esskultur auswachsen.
Man ist praktisch gezwungen an jedem Tag, den Gott gewähren lässt, die qualvolle Wahl zwischen Pommes mit Frikadelle (steak hachée) und einer (glücklicherweise relativ dicken) Scheibe gekochtem Schinken, natürlich ebenfalls mit Pommes, zu treffen. Gäbe es hinterher nicht ein Eis, quasi als lachhafter Versuch einer Wiedergutmachung, hätten die Kinder vermutlich schon längst eine zweite Französische Revolution angezettelt – und das mit Fug und Recht.
Will man von seinem opulenten Menu den lieben Kleinen etwas abgeben, staunt man oftmals hinterher nicht schlecht über die Rechnung: In manchen Lokalen wird völlig unverschämt für ein zusätzliches aufgetragenes Gedeck (couvert) kassiert. Diesen Widrigkeiten sollte man wie folgt begegnen: “pique-nique” – besser bekannt als “Picknick” – einpacken und ab in Gottes freie Natur. Das ist sowieso französischer Nationalsport, es macht mehr Spaß, es ist für Jeden was dabei und über die Reste kann sich der Hund ungehemmt etwas abseits hermachen.

Hund & Restaurant:
Hunde in Restaurants sind meist kein Problem, sie werden fast überall akzeptiert oder sogar manchmal ausdrücklich erwünscht. Das erkennt man an Aufklebern, phantasievoll gemalten Schildern oder einem Wassernapf ( „ Hunde- Bar“) direkt am Eingang. In manchen Restaurant erhält man unaufgefordert eine Wasserschüssel, bei anderen muss man umständlich fragen, verweigert wird das nie.
Die unübertreffliche Spitze war das stilechte Servieren von Wasser für den Hund im Champagnerkübel - noblesse oblige ... (Persönlich erlebt am Cours Mirabeau in Aix-en-Provence. In solchen Lokalen weiß man halt, was man einer blütenweißen 65 kg Schönheit aus den Pyrenäen schuldig ist.)
Man sollte sich mit seinem haarigen Kumpanen natürlich in eine etwas ruhigere Ecke verziehen, weil andere natürlich ebenfalls mit Ihren Vierbeinern antreten, was mit Störungen der anderen Gäste durch die üblichen Begrüßungsschnupperrituale verbunden sein kann.

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